Anleitung & Erklärungen

Worum geht es?

Dieser Kalkulator hilft Augenärzten bei der Nachkontrolle nach torischer IOL-Implantation. Er berechnet auf Basis der post-operativen Refraktion, der IOL-Daten und der Hornhautmessung, ob und um wie viel die torische Linse rotiert werden sollte – nach der Vektormethode von Alpins/Gerten 2024.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1

Post-OP Refraktion eingeben

Pflichtfeld

Geben Sie die aktuell gemessene Refraktion des Patienten ein (Sphäre, Zylinder, Achse). Der Zylinder kann in Plus- oder Minusform eingegeben werden – die App konvertiert automatisch in Minuszylinderform.

2

IOL-Daten eingeben

Pflichtfeld

Tragen Sie die zylindrische Stärke der implantierten torischen IOL ein (positiver Wert, z.B. 3.00 D). Geben Sie die Achse bei Implantation (aus dem OP-Protokoll) und die aktuelle Achse post-OP ein. Falls die aktuelle Achse nicht direkt sichtbar ist, kann sie aus Refraktion und Hornhautmessung berechnet werden (Näherung).

3

Post-OP Hornhautradien eingeben

Pflichtfeld

Geben Sie R1 (flacher Meridian, größerer Radius in mm) und R2 (steiler Meridian, kleinerer Radius in mm) mit den zugehörigen Achsen ein. Wichtig: R1 muss größer sein als R2. Falls die Werte vertauscht sind, erscheint eine Warnung mit einem Tausch-Button.

4

Prä-OP Daten (optional)

Optional

Falls vorhanden, können prä-operative Refraktion und Hornhautdaten ergänzt werden. Diese verbessern die Vektorberechnung, sind aber nicht zwingend erforderlich. Ohne Prä-OP-Daten werden die post-OP Hornhautdaten für beide Zeitpunkte verwendet.

5

Berechnen klicken

Hauptaktion

Nach Eingabe aller Pflichtfelder auf „Berechnen" klicken. Das Ergebnis erscheint in der rechten Spalte: Empfehlung (Rotation im/gegen Uhrzeigersinn mit Gradzahl), aktuelle Restrefraktion, und drei Diagramme zur Visualisierung.

Die drei Diagramme erklärt

Tab 1: Achsen-Visualisierung

Zeigt die Lage der IOL-Achse (aktuell und neu/SOLL), der Hornhaut-Hauptachse (K2, steiler Meridian, orange) und der Refraktionsachse (Rx, gestrichelt) in ophthalmologischer Notation. 90° ist oben (wie auf dem Keratometer). Die Länge der Pfeile entspricht der Stärke in Dioptrien.

Tab 2: Doppelwinkelplot (DAP)

Der Doppelwinkelplot ist die mathematisch korrekte Darstellung für Vektorberechnungen. Alle ophthalmologischen Achswinkel werden verdoppelt (z.B. 45° ophthalm. = 90° im Plot = oben). Die Vektoren zeigen:

  • K (schwarz): Hornhaut-Astigmatismus – der Ausgangszustand
  • TIA (grün): Target Induced Astigmatism – die beabsichtigte Korrektur durch die IOL (SOLL)
  • SIA (dunkelblau): Surgically Induced Astigmatism – die tatsächlich erzielte Korrektur (IST)
  • Rx (orange, gestrichelt): Restrefraktion – Pfeilspitze zeigt zum Nullpunkt = vollständige Korrektur wäre erreicht
  • DV (rot, gestrichelt): Differenzvektor – zeigt die Parallelverschiebung zwischen SIA und TIA (= Restfehler)

Tab 3: Fehlrotations-Analyse

Zeigt die Auswirkungen einer IOL-Fehlrotation auf die Korrekturwirkung. Drei Ansichten:

  • Schritt 1 – Verlust %: Wie viel Prozent der Zylinderkorrektur geht bei einer bestimmten Fehlrotation verloren? Faustregel: 15° → ~50% Verlust, 30° → ~100% Verlust.
  • Schritt 2 – Achsdrehung: Um wie viel Grad dreht sich die Gesamtachse des post-OP Astigmatismus in Abhängigkeit von der IOL-Fehlrotation?
  • Schritt 3 – Kombiniert: Beide Kurven überlagert – wie in Folie 5 der Gerten-Präsentation 2024.

Häufige Fehler & Hinweise

R1 und R2 vertauscht

R1 ist immer der flache Meridian (größerer Radius, weniger Dioptrien). R2 ist der steile Meridian (kleinerer Radius, mehr Dioptrien). Die App warnt automatisch, wenn R1 < R2 ist, und bietet einen Tausch-Button an.

Plus- vs. Minuszylinder

Augenärzte arbeiten meist mit Minuszylindern (z.B. –3.50 D × 16°). Die App akzeptiert beide Formen und konvertiert automatisch. Der Hornhaut-Astigmatismus wird immer als Pluszylinder angezeigt (+6.70 D @ 139°), da er aus dem Unterschied K2 − K1 berechnet wird.

Achse bei Implantation vs. aktuelle Achse

Die Achse bei Implantation ist die geplante/tatsächliche Achse aus dem OP-Protokoll. Die aktuelle Achse post-OP ist die gemessene Position der IOL bei der Nachkontrolle. Die Differenz ergibt die Fehlrotation.

Faustregel nach Gerten 2024

15° Fehlrotation → ca. 50% Verlust der Zylinderkorrektur. 30° Fehlrotation → ca. 100% Verlust (keine Wirkung). Bei >30° Fehlrotation kann die IOL sogar gegenteilig wirken.

Glossar

TIA

Target Induced Astigmatism – der beabsichtigte Astigmatismus, den die IOL induzieren soll (= Hornhaut-Astigmatismus bei korrekter Positionierung)

SIA

Surgically Induced Astigmatism – der tatsächlich durch die IOL induzierte Astigmatismus (basierend auf der aktuellen IOL-Position)

DV

Differenzvektor – die Vektordifferenz zwischen SIA und TIA, zeigt den Restfehler der Korrektur

DAP

Doppelwinkelplot – Darstellung, bei der alle Achswinkel verdoppelt werden, um eine korrekte Vektorrechnung zu ermöglichen

K1

Flacher Hornhautmeridian – der Meridian mit dem größten Krümmungsradius (weniger Dioptrien)

K2

Steiler Hornhautmeridian – der Meridian mit dem kleinsten Krümmungsradius (mehr Dioptrien)

SE

Sphärisches Äquivalent – Sphäre + ½ × Zylinder, gibt die mittlere Brechkraft an

Torische IOL

Intraokularlinse mit zylindrischer Zusatzwirkung zur Korrektur von Hornhautastigmatismus

Methodik: Vektormethode im Doppelwinkel-Raum nach Alpins/Gerten 2024 · Quelle: Gerten, DOC Tori Kurs Problembehandlung 2024